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Grafiker und Maler Hanspeter Bethke

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    LAUDATIO zur Ausstellung ZAUBERGARTEN am 5. September 2010

    Fotografie - Paul Böckelmann
    Keramik - E.R.N.A
    Pflanzen - aus dem Saxdorfer Pfarrgarten des Hanspeter Bethke
    Laudator - Karl-Heinz Zahn

    Am ANFANG schuf Gott Himmel und Erde! Er schuf den Menschen und setzte ihn in einen GARTEN, den wir später PARADIES oder GARTEN EDEN nennen. Als die Menschen den Garten verlassen mussten – durch eigene Schuld – schleichen sie sehnsuchtsvoll um die Mauern herum. Eines Tages entdeckt EVA weiße Blumen, ohne Stacheln – Madonnen-Lilien. In der Saxdorfer Kirche hält sie der Engel Gabriel in der Hand, als er Maria besucht – mit den Worten AVE MARIA GRATIA – Maria die neue EVA. Die Lilie – Zeichen der Reinheit und Unschuld Mariens. Und Adam und Eva beginnen mitten im Chaos einen GARTEN anzulegen…

    „In jedem ANFANG wohnt ein ZAUBER inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben!“ Im GARTENBUCH 2008 findet sich ein Foto von 1967 ! In diesem CHAOS begann Hanspeter Bethke einen Garten anzulegen. Zur „Vorbelastung“ ist zu sagen: Im GARTENBUCH 2008 gibt es ein 2. Foto von 1940 – P.B. im Garten seiner Eltern in Magdeburg – mit Gärtnerschürze / Gießkanne und Hacke! Eine Körperhaltung in der P.B. noch heute – nach 70 Jahren – gärtnert! Ein alter Gärtner – namens Kater – schenkte ihm damals einen Pfennig-oder Geldbaum,der ihn bis in die 90-iger Jahre als sein Lebensbaum begleitete ( und in der Tat ging ihm niemals das Geld aus ! ) In der frühen Hallischen Zeit – nach dem Krieg – bekam er Sämereien von Rose Schindel, eine Kriegerwitwe, die in der Geiststrasse einen Laden der DSG (Deutsche Saatgut Ge- sellschaft) betrieb – mit einer großen Sortenvielfalt – 30 Sorten Primeln, Astern etc. Die ersten Bücher die sich PB besorgte waren Gartenbücher von Karl Foerster…. Drei verschiedene Schrebergärter entstanden in Halle – alle drei mussten den sozialistischen Plattenbauten weichen!

    Berühmt war der Botanische Schrebergarten AM EIERWEG mit der roten Laube, der dann in den 70-iger Jahren seinen Umzug nach Saxdorf vollziehen musste. Mit den wenigen Transportmitteln, die uns zur Verfügung standen, überlebten viele Pflanzen bis zum heutigen Tage – der Methusalem: die ca. 65 Jahre alte Eibe mit dem markanten Hut! Als PB noch als Restaurator in Wörlitz arbeitete und am Wochenende nach Saxdorf kam, schleppte er meistens zwei große Reisetaschen mit Pflanzen an. ..“das kann doch nur Herr Bethke sein!“ klang es oftmals durch den Zug! „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…!“ Der Zauber in Saxdorf war alles andere als „zauberhaft“ – er bedeutete über viele Jahre harte steinige Arbeit inmitten des Chaos – ohne Gartenplan, nur die Vision eines Gartenparadieses im Kopf. So wie Bethkes Bilder aus der Intuition heraus entstehen, wuchs auch der Garten aus Erlebnissen und Erfahrungen heraus in einem ständigen Veränderungsprozeß – bis zum heutigen Tag! Eine riesengroße Benjeshecke im nahen Kirchenwald zeugt von den ständigen Veränderungen durch Axt / Säge und Schere! Es vergeht keine Woche, wo nicht genügend Schnittmasse anfällt, damit es nicht „zuviel Laub / zuviel Grün /zuviel Bunt gibt!“ Doch zurück zu den Anfängen: In einer kleinen Erzählung DER GARTEN schildert Paul Böckelmann das Schicksal des Gartenfreundes Scherben in der Kleingartenanlage Am Eierweg zu Halle, „der bärtig, unangepasst, durch chaotische Überwucherung und unkontrolliertes Wachstum der Parzelle alle Grundzüge von Ordnung, Ruhe, Sauberkeit missachtete..“ Gartenfreund Scherben beugt sich schließlich, rodet den Garten und trägt alle Pflanzen hinaus ins ferne Saxdorf und bereitete somit ungewollt die Bebauung des Arreals mit sozialistischen Wohnblocks vor. Die Erzählung endet mit der weisen Einsicht des Garten- Vorstandes: „Gartenfreund Scherben passte eben doch nicht zu ihnen.. wir haben es immer geahnt, ach was, gewusst, so ein Garten, nein!“

    Das waren die Anfänge des Gärtnerns mit vielen Kontakten zu Botanischen Gärten, zur Gartenliteratur von Karl Foerster, der Gartenschönheit von 1922 f oder Karl Foersters Blütengarten der Zukunft von 1916 und den damaligen Standardwerken des Grafen Silva-Tarouca aus Pruhonice bei Prag. Deutschland war bis in die 30-iger Jahre ein überaus intelligentes Gartenland und konnte mit England konkurrieren. Heute ist die Gartenkunst meist reduziert auf Rekonstruktion historischer Anlagen, sklavisch festhaltend an alten Gartenplänen. Gute neue Gestaltungen gibt es leider wenig. In landläufigen Gärten ist das Wichtigste: Pflegeleichte Ödnis mit Rasen in der Mitte (oder Pflaster) und ringsum Koniferen, die kein Laub abwerfen!

    In einem Bericht von 1910 heißt es über den Saxdorfer Friedhof …“barocke Grabsteine, muschlige Kartuschen, von wilden Rosen überwachsen, geben ein stimmungsvolles Bild!“ 1967 war davon nichts mehr vorhanden Aber:“ In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!“ Das Foto von 1967 bezeugt das Chaos, in das die ersten Bäume gepflanzt wurden.

    Beginnen wir unseren Spaziergang vom Friedhof und der Kirche her. Der erste Baum an der Kirche war eine japanische Zierkirsche, daneben steht ein japan. Schnurbaum – als Samen von einer Reise nach Mittelasien mitgebracht und der dort viele Tempel ziert, viele Judasbäume in allen Farben, Gingko, Goldrispenbäume, Schneeglöckchenbaum, Paulownien, Urwelt- und Riesenmammutbäume, die alle anderen überragen und viele, viele Strauchrosen. Die Kirche wird umrankt mit der alten Ayrshir Queen Rose von 1835 und am Westgiebel steht ein Ableger des 1000-jährigen. Rosenstocks vom Hildesheimer Dom1 Und im Frühling ist für 4 Wochen der Friedhof mit einer blauen Blütenpracht von Crokus und Scillas überzogen! Einfach zauberhaft! Und mitten drin die schöne fast 800-jährige Kirche, die P.B. in den 70-iger Jahren restauriert und zu alter Schönheit erweckt hat. Gerade hat sie noch einmal eine Verjüngungskur erfahren!

    So genügend vorbereitet, betreten wir durch eine Gartenpforte den Saxdorfer Pfarrgarten. Das Pfarrhaus von 1896, von wildem Wein, Kolchischem Efeu, Blauregen und Ramblerrosen fast überwuchert und zugewachsen. Umgeben mit unzähligen Kamelien, die auf ihr Winterquartier warten. Der ZAUBERGARTEN beginnt mit den Zaubernüssen und Millionen Frühlingsblühern. Die geschnittenen Taxusse und Buchsbäume beleben mit ihrem satten Grün die blauen Flächen. Dann entfalten die Magnolien zur Osterzeit ihre zauberhaften Blütenflore und ihnen zu Füßen die Baumpäonien in allen Farben und Größen aus dem fernen Reich der Mitte, aus Japan und China. Schließlich überzieht den ganzen Garten der Zauber der ROSENBBLÜTE. Über 300 Sorten Alter und historischer Rosen, die sich als Rambler in die hohen Bäume hinaufschwingen. Besonderer Höhepunkt – die LYKKEFUND – im wahrsten Sinne des Wortes – ein GLÜCKSFUND. Und dazwischen leuchtet das zarte Grün des BAMBUS – „exotische Eleganz und immergrüne Fröhlichkeit!“. Bambus kommt vor allem aus Asien und gilt dort als Symbol für Gesundheit, Zähigkeit, Durchhaltevermögen und langem Atem. So fügt sich der Bambus harmonisch ein in das schöpferische Wirken von HPB in seiner 70-jährigen Gartenlaufbahn.

    Auf unserem Spaziergang durch den Garten sind wir im HERBST angekommen. Erneut überzieht ein Farbenzauber den ganzen Garten der Herbstblüher und der sich färbenden Blätter der Bäume. Bald wird winterliche Ruhe einziehen und HPB wird Vom ATELIER im 3. Stockwerk aus - hoch über dem Garten - seine malerische Ernte einfahren. Dort arbeitet er intuitiv, wie im Sommer im Garten – ohne Skizzenbücher oder Vorlagen, wie es seine stets überquellende Fantasie ihm eingibt. Beides gehört für Hanspeter Bethke zusammen.: „ Ohne gärtnern kann ich nicht malen – ohne malen kann ich nicht gärtnern!“

    Das ist der Hintergrund für diese FOTOAUSTELLUNG, die lebendige Gartenbilder sind.- Mit allem Zauber der Anfänge - aber auch der Vergänglichkeit. Paul Böckelmann und Peter Bethke sind seit über 40 Jahren befreundet (er kannte schon den Gartenfreund Scherben…) Seit Jahren fotografiert Paul Böckelmann den Garten. Mit einer langen Vorbereitungszeit und Intensität sind diese GARTEN-KUNSTWERKE entstanden - mit ihrer Faszination und fast übernatürlichen Anziehung – mit einer „die Sinne erfreuenden Erinnerung an ein Paradies“, wie es in der Einladung hieß und der Einladung, diesen schönen ZAUBERGARTEN in SAXDORF zu besuchen.. Elke Böckelmann hat dazu viele wunderbare Keramikarbeiten geschaffen, die vielen schönen und seltenen Pflanzen als Gefäße dienen.

    Wir sind am Ende mit unserem Spaziergang. Hanspeter Bethkes 70-ig jährige Gärtnerleiden- schaft ist weiter ungebrochen. Noch immer werden Sämereien gesammelt und ausgesät, Rosen gezüchtet, gerade sind 40 neue Wild-Clematis-Sorten gepflanzt und erst in der vorigen Woche durch weitere 18 Pflanzen ergänzt worden. Denn: „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben!“ – „Wer einen Garten anlegt – soll ein Leben lang glücklich sein!“

    Wünschen wir uns – seinen treuen Mitarbeitern Rosmarie / Edith / Christine und Veronika und Hanspeter Bethke noch viele schöne Begegnungen in seinem

    SAXDORFER ZAUBERGARTEN – dem VORHOF des PARADIESES !